Berufsbildungsbericht 2019: Die wichtigsten Erkenntnisse im Überblick


Klingt sperrig, ist es auch ein wenig – der alljährliche Berufsbildungsbericht der Bundesregierung. Doch es ist ein Dokument, das besonders für Auszubildende zahlreiche wichtige und richtungsweisende Informationen enthält. Wir von azubify.de erklären Dir, wieso es sich für Dich absolut lohnt, einen Blick in den Berufsbildungsbericht 2019 zu werfen.

Ganze 199 Seiten stark ist die Analyse des Arbeitsmarktes für Auszubildende. Insofern nicht erstaunlich, dass viele lieber einen großen Bogen drumherum machen. Damit entgeht Azubis aber eine wichtige Chance: Nämlich sich wirklich auf dem Laufenden zu halten, was die Ausbildung angeht. Der Mindestlohn für Azubis – der aktuell gerade Tagesthema ist und wirklich alle betrifft, die eine duale Ausbildung absolvieren – wurde beispielsweise bereits eingehend im Berufsbildungsbericht vorgestellt und diskutiert. Es gilt also: Wer ihn liest, der hat in Sachen Information ganz klar die Nase vorn!

Weshalb ist der Bericht für mich überhaupt wichtig?

Eine wichtige Aufgabe des Bundesbildungsministeriums in Deutschland ist die Beobachtung des Ausbildungsmarktes. Die gesammelten Erkenntnisse fließen in den jährlichen Berufsbildungsbericht ein, der immer Anfang April veröffentlicht wird. Klingt für Dich vielleicht erstmal nach jeder Menge langweiliger Fakten, Zahlen und Statistiken, dahinter verbirgt sich aber auch wichtiges Wissen über Trends und Perspektiven.

Damit ist der Bundesbildungsbericht perfekt, um sich über Entwicklungen und Trends auf dem Ausbildungsmarkt einen Überblick zu verschaffen. Welche Berufsbereiche suchen Azubis? Welche Alternativen zur dualen Ausbildung stehen zur Verfügung? Welche Perspektiven bietet eine Ausbildung aktuell? Aber auch Förderungen, Weiterbildungsangebote und finanzielle Unterstützungsmöglichkeiten werden vorgestellt, ebenso Programme, mit denen Du einen Teil Deiner Ausbildung im Ausland verbringen kannst. Durch die kompakte Zusammenstellung aller wesentlichen Daten ist der Berufsbildungsbericht ein guter Indikator und Richtungsweiser in Sachen Karriere, persönliche Perspektiven sowie Entwicklungsoptionen.

Die Fakten: Wo geht die Reise gerade hin?

Eine wesentliche Erkenntnis: Deutschland hat einen neuen Negativrekord aufgestellt in Bezug auf die Zahl von jungen Ungelernten. Rund 2,1 Millionen Leute zwischen 20 und 34 Jahren verfügen nicht über einen Berufsabschluss. In Prozenten bedeutet dies: Die Quote der Ungelernten in dieser Altersgruppe ist um 1,2 % auf 14,2 % gestiegen (den Großteil stellen dabei junge Menschen mit ausländischer Herkunft). Diese Entwicklung wiederum hat Konsequenzen: Immer mehr junge Menschen haben damit keine Möglichkeit, angemessen am Leben in unserem Land teilzuhaben. Denn mit einer „steilen Karriere“ als ungelernte Arbeitskraft fehlen einem die nötigen finanziellen Mittel und die Motivation. Nach dem Motto: Ohne Abschluss und Moos – nix los. Die Frustration, die da schnell aufkommt, kann wiederum ein Grund für das fehlende politische Interesse und den spürbaren Rechtsruck in der Gesellschaft sein. Keine gute Entwicklung also! Andererseits fehlen unseren Unternehmen so auch dringend benötigte Fachkräfte, was wiederum einen wichtigen Hinderungsgrund für die wirtschaftliche Entwicklung bedeutet.

Der Trend weist aufwärts

Positiv fällt allerdings auf, dass der Trend am Ausbildungsmarkt wieder nach oben zeigt. So wurden im Herbst 2018 rund 1,6 % Ausbildungsstellen mehr besetzt. Das Verhältnis zwischen angebotenen Lehrstellen und Interessenten ist nahezu ausgeglichen (auf 100 Stellen kommen aktuell 106 Bewerber); dass nicht alle Stellen besetzt werden bzw. alle Schulabgänger die passende Ausbildung finden, liegt einerseits an örtlichen Präferenzen sowie den jeweiligen persönlichen Vorstellungen. Dies erklärt die hohe Zahl der Unversorgten, diese liegt derzeit bei 24.500 Personen.

Besonders im handwerklichen Sektor wird nach wie vor von den Unternehmen stark gesucht, dies betrifft vor allem kleinere Betriebe. Diese haben häufiger Probleme, geeigneten Nachwuchs zu finden. Laut der neuesten Erhebungen bleibt rund jede 10. Stelle unbesetzt. Wer sich also eine Tätigkeit im Handwerk vorstellen kann, hat insgesamt durchaus gute Perspektiven!

Duale Ausbildung: Gute Aussichten in Sachen Job

Eine weitere gute Nachricht: Rund 74 % der Azubis werden nach der Abschlussprüfung von ihrem Betrieb übernommen. Somit sind die beruflichen Aussichten durchaus auch längerfristig vielversprechend, wenn Du eine Ausbildungsstelle ergattern konntest. Diejenigen, die weniger Glück hatten, nehmen zumeist erst einmal eine schulische Ausbildung auf (ca. 54.000 Jugendliche momentan) – sie sind aber weiter auf der Suche nach einer „echten“ Ausbildungsstelle. Im sogenannten Übergangssystem (also ein Jahr dauernde Angebote wie Berufsgrundbildungsjahr, Berufsvorbereitungsjahr und Berufseinstiegsjahr) „parken“ sogar ganze 270.000 junge Leute.

Wie geht es weiter?

Neben den Plänen der Bundesregierung hinsichtlich einer Mindestausbildungsvergütung plant Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) noch weitere Änderungen. Im Rahmen der zunehmenden Globalisierung sollen in Deutschland international einheitliche höhere Berufsabschlüsse eingeführt werden, etwa „Berufsspezialist“, „Berufsbachelor“ und „Berufsmaster“. Als Weiterbildungsperspektiven könnten sie durchaus interessant werden. Des Weiteren will Karliczek auf Wünsche aus dem Handwerk reagieren und deren Ausbildungen durch finanzielle Förderungen deutlich attraktiver machen (von der Lehre bis zum Meister und auch die duale Ausbildung).

Ebenso fokussiert sich die Bundesbildungsministerin bei ihren Plänen auf die Gymnasien. Um die „Passungsprobleme“ zu lösen, soll hier aktiv für die duale Ausbildung geworben werden. Diese wird durch die angedachten neuen höheren Berufsabschlüsse durchaus attraktiver auch für Abiturienten. Denn wer wenig Lust auf jede Menge Theorie hat und im Anschluss an ein Studium sowieso keine Karriere in der Wissenschaft anstrebt, der kann hierüber ebenfalls Karriere machen.

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