Ausbildung trotz Hörschädigung? Diese Möglichkeiten hast du!


Ausbildung trotz Hörschädigung

Am letzten Sonntag im September findet jährlich der Tag der Gehörlosen statt. Dieser internationale Gedenktag wurde 1951 von der World Federation of the Deaf ins Leben gerufen, um zu zeigen, wie Gehörlose leben und auf welche Probleme sie im Alltag stoßen. Seit den 70er Jahren gibt es den Tag der Gehörlosen auch in Deutschland.

Bist Du schon mal mit dem Thema Gehörlosigkeit in Berührung gekommen? Hast Du vielleicht selbst eine Hörbeeinträchtigung? Besonders für junge Menschen kann das mit vielen Herausforderungen verbunden sein – zum Beispiel auch beim Thema Ausbildung: Können Gehörlose oder hörbeeinträchtigte Menschen die gleichen Ausbildungen machen wie jeder andere, gibt es Einschränkungen oder spezielle Berufe und Ausbildungswege? Diese Fragen haben wir nachfolgend für Dich beantwortet.

Ausbildung trotz Hörbehinderung – geht das überhaupt?

Selbstverständlich geht das! Natürlich kommt es hier individuell auf Dich, Deinen Grad der Behinderung bzw. Beeinträchtigung an, ebenso auf Deinen Berufswunsch und den jeweiligen Ausbildungsbetrieb. Grundsätzlich aber können Gehörlose oder Hörbehinderte jede Ausbildung machen.

Für viele Gegebenheiten gibt es sowohl technische als auch persönliche Unterstützungsmöglichkeiten. Hier kannst Du Dich  bereits vorab bei einem Integrationsfachdienst oder dem Team Reha/SB der Agenturen für Arbeit informieren und beraten lassen.

Bewerbung mit Handicap: Mit offenen Karten spielen

Wichtig ist, dass Du von Beginn an mit offenen Karten spielst. Bereits aus der Bewerbung sollte hervorgehen, dass eine Hörbeeinträchtigung vorliegt. Es kann sich positiv auswirken, dem potenziellen Arbeitgeber gleich Anlaufstellen zu nennen, an die er sich bei Fragen wenden kann. Nicht jeder Betrieb hat hier schon Erfahrungen, besonders die kleinen Betriebe benötigen manchmal Hilfe. Mögliche Ansprechpartner sind ebenfalls unter anderem die regionalen Integrationsfachdienste oder das Team Reha/SB der Agenturen für Arbeit.

Eine Garantie, dass Du in deiner Nähe und in Deinem Traumberuf einen Ausbildungsplatz erhältst, gibt es nicht. Es gibt durchaus Betriebe, die sich nicht engagieren und einsetzen möchten. Vielleicht kannst Du aber während eines Praktikums von Dir und Deinen Fähigkeiten überzeugen und zeigen, dass eine Hörbehinderung kein unlösbares Problem ist.

Prinzipiell hast Du alles Möglichkeiten, soviel steht fest. Eine Hörbehinderung kann sicherlich eine Hürde sein, aber keine, die sich nicht überwinden ließe.

Ob Technik oder Mensch – Unterstützung für Hörgeschädigte

Gehörlose oder hörbehinderte Auszubildende bzw. die jeweiligen Betriebe haben einen Anspruch auf Fördermittel, hierfür die meist die regionale Agentur für Arbeit als Kostenträger zuständig. Technische Hilfsmittel können zum Beispiel optische Signalgeber, Vibrationsmelder oder Hörverstärker sein. Auch personell gib es Möglichkeiten, so können unter bestimmten Voraussetzungen  spezielle Dolmetscher zum Einsatz kommen oder Schulungen für das eigene Personal angeboten werden.

Um alle Fördermöglichkeiten zu kennen, ist es gut, Dich bereits vorab bei der für Dich zuständigen Agentur für Arbeit informieren und beraten zu lassen. In einem Vorstellungsgespräch bist du somit gut gerüstet und kannst Bedenken auf Seiten des Unternehmens entkräften und mögliche geförderte Maßnahmen konkret benennen.

Spezielle Ausbildungsberufe für Menschen mit beeinträchtigtem Gehör

Grundsätzlich steht Dir jeder Ausbildungsberuf offen. Des Weiteren gibt es auch noch einige Ausbildungsberufe, die ganz speziell zu Dir und Deiner Situation passen.

  • Alltagsbetreuer/in
    Diese Ausbildung dauert zwei Jahre und kann im Berufsbildungswerk Paulinenpflege in Winnenden absolviert. Dieser Ausbildungsweg ist besonders gut für Gehörlose und Jugendliche mit einer Hörbehinderung geeignet.
  • Gebärdensprachdolmetscher/in
    Hierbei handelt es sich um ein weiterbildendes Studium, welches unter anderem vom Institut für Deutsche Gebärdensprache und Kommunikation Gehörloser in Hamburg angeben wird. Wer bereits Dolmetscher ist, zwei Sprachen beherrscht und zudem noch taub ist, kann diese Weiterbildung absolvieren.
  • Gebärdensprachdozent/in
    Das Gehörlosen Institut Bayern bietet diese 3-jährige Ausbildung an, die aber überwiegend am Wochenende stattfindet und berufsbegleitend absolviert werden kann. Nach dieser Ausbildung kannst Du die Gebärdensprache unterrichten und Menschen mit einer Hörbehinderung helfen.

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