Der Berufsbildungsbericht 2017 – die wichtigsten Erkenntnisse im Überblick


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Der Berufsbildungsbericht 2017 – aktuelle Entwicklung der beruflichen Bildung in Deutschland

Viele junge Menschen beginnen nach ihrem Schulabschluss eine Ausbildung und wagen somit den ersten Schritt ins Berufsleben. Die Schulabsolventen sammeln in der Zeit nicht nur zahlreiche wichtige Erfahrungen, sondern lernen auch den Arbeitsalltag des Berufes kennen, den sie später wahrscheinlich ausüben wollen. Denn die Zahl der Betriebe, die ihre Auszubildenden übernehmen, ist im Jahr 2016 abermals gestiegen. Statistisch gesehen würden auf 100 Ausbildungssuchende 104,2 Stellen kommen. Dies berichtet der Berufsbildungsbericht 2017 (https://www.bmbf.de/pub/Berufsbildungsbericht_2017.pdf).

Seit 1977 erhebt das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) jährlich Statistiken über die berufliche Bildung in Deutschland. Dies soll Arbeitgebern, aber auch zukünftigen Auszubildenden Auskunft darüber geben, wie sich die Berufsbildung in Deutschland im vorherigen Jahr entwickelt hat und wie die Tendenzen für das kommende Jahr womöglich aussehen.

Die Ausbildungssituation in Deutschland 2016

Das Resultat des Berufsbildungsbericht 2017 zeigt, dass die Ausbildungssituation in Deutschland stabil geblieben ist. Die Anzahl der Ausbildungsangebote ist im Vergleich zum Vorjahr mit 563.800 nahezu konstant geblieben. Von diesen Ausbildungsstellen waren 43.500 Stellen unbesetzt, was laut der Bundesagentur für Arbeit einem neuen Höchststand in Deutschland entspricht.

Viele Ausbildungsstellen in Deutschland vorhanden

Es ist im Vergleich zum Vorjahr ein Anstieg von 4,5% zu erkennen. Die Summe junger Menschen ohne abgeschlossene Berufsausbildung ist mit einer Quote von 13,4% relativ konstant geblieben. In Bezug auf abgeschlossene Ausbildungsverträge zeigt der Berufsbildungsbericht einen leichten Rückgang von 0,4%. Der Vergleich der Bundesländer zeigt, dass in Bayern, Bremen und Sachsen-Anhalt mehr abgeschlossene Ausbildungsverträge erfasst worden sind als in den Ländern Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Hessen, Hamburg, Thüringen und Schleswig-Holstein. Trotz Anstieg unbesetzter Ausbildungsstellen bleiben immer noch 20.600 Bewerber ohne Ausbildungsplatz.

berufsbildungsbericht-2017Ausbildung mit Abitur ist ein ansteigender Trend

Die Anzahl der jungen Menschen mit Hochschulzugangsberechtigung, die ein duales Studium beginnen, steigt. Hier ist der Trend zu verzeichnen, dass immer mehr Abiturienten direkt nach dem Schulabschluss dem Pfad folgen, in das Berufsleben einzusteigen, ohne vorher ein Studium zu beginnen. Viele kombinieren eine Ausbildung mit einem Parallelstudium, welches oft mit einer Übernahme in den Betrieb verbunden ist und für Abiturienten immer attraktiver wird.

Ausbildungsbereiche im Vergleich

Industrie und Handel

  • Im Vergleich zu 2015 wurden 2016 insgesamt 304.303 Ausbildungsverträge abgeschlossen. Dies entspricht einem geringen Rückgang von 1,3%. In Deutschland ist der Bereich Industrie und Handel mit einem Anteil von 58,5% der größte Bereich, in dem Ausbildungen neu abgeschlossen wurden.

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Handwerk

  • Im Bereich des Handwerks ist ein leichter Anstieg bei der Anzahl abgeschlossener Ausbildungsverträge zu verzeichnen. Mit einer Gesamtsumme von 141.769 ist im Vergleich zum Vorjahr eine Steigerung von insgesamt 257 neuen Verträgen zu verzeichnen. Dies bedeutet, dass 0,2% mehr Interessierte eine Ausbildung im Handwerksbereich begonnen haben.  Bundesweit ist der Berufsbereich des Handwerks mit 27,2% neben der Industrie und dem Handel einer der Vorreiter im Bereitstellen von Ausbildungsstellen.

Freie Berufe

  • Laut des Berufsbildungsberichts 2017 wurden 2016 insgesamt 44.563 neue Ausbildungsverträge in Deutschland abgeschlossen. Dies sind 1.422 neue Arbeitsverträge mehr als 2015 und entspricht einem Anstieg von insgesamt 3,3%. Der Anteil an neuen Auszubildenden in freien Berufen liegt bundesweit bei 8,6%.

Öffentlicher Dienst

  • Deutschlandweit gesehen wurden von allen neuen abgeschlossenen Ausbildungsverträgen 2,7% im öffentlichen Dienst registriert. Dies sind 257 mehr als im Vorjahr 2015, welches einen Anstieg von 3,9% darstellt. Der BIBB bestätigt in Westdeutschland einen Zugang von 284 und in Ostdeutschland einen Zugang von insgesamt 235 neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen.

Landwirtschaft

  • Insgesamt 13.615 Ausbildungsverträge wurden 2016  neu abgeschlossen. Dies sind 65 mehr als im Vorjahr. Während in Ostdeutschland die Vertragszahlen mit 2683 leicht gesunken sind, stiegen sie in Westdeutschland mit 133 um 1,2%.

Hauswirtschaft

  • Mit 0,4% ist der Anteil der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen im Bereich der Hauwirtschaft eines der kleinsten Berufsfelder, in denen 2016 eine neue Ausbildung begonnen wurde. Alles umfassend wurden 2.139 neue Verträge unterzeichnet, welches im Vergleich zu 2015 einem geringen Rückgang von 5.5% entspricht.

Aktuelle Herausforderungen auf dem Ausbildungsmarkt

Wenngleich die Ausbildungsplatzsuche für derzeitige und kommende Azubis vergleichsweise positiv aussieht, so müssen sich sowohl Unternehmen als auch die Politik dennoch mit einigen relevanten Problematiken auseinandersetzen. Insbesondere der Fachkräftemangel und die erfolgreiche Ausbildung mit Migrationshintergrund stehen diesbezüglich im Fokus.

Unternehmen können Ausbildungsstellen nicht besetzen

Der Berufsbildungsbericht 2017 zeigt auf, dass es immer noch zahlreiche Bewerber gibt, die 2016 keinen Ausbildungsplatz erhalten haben, obwohl ein Anstieg unbesetzter Ausbildungsstellen verzeichnet wird. Betriebe haben Schwierigkeiten ihre Stellen zu besetzen, wenngleich diese Problematik stark branchenabhängig ist. Während Berufe des Nahrungsmittelhandwerks oder in der Gastronomie sehr beliebt sind, werden Büroberufe oder kaufmännische Berufe seltener besetzt. Auf der anderen Seite sind die Anforderungen der Unternehmen oft zu hoch. Daraus ergibt sich beispielsweise, dass Betriebe bevorzugt auf Bewerber mit Abitur statt Hauptschulabschluss zurückgreifen, wenngleich der Beruf dies nicht zwangsläufig benötigt.

Auszubildende mit Migrationshintergrund

Auch Bewerber mit Migrationshintergrund stellen einen wichtigen-+ Anteil der Ausbildungssuchenden in Deutschland dar, sowohl für einen beruflichen Neuanfang als auch im Sinne einer Erstausbildung. Gerade im Bereich der dualen Ausbildung sind Azubis mit Migrationshintergrund dennoch verhältnismäßig selten anzutreffen, wenngleich die Anzahl der Flüchtlinge und damit auch der Ausbildungswilligen insgesamt angestiegen ist. Probleme ergeben sich insbesondere dadurch, dass die schulische Ausbildung und Qualifikation der Anwerber nicht mit den Anforderungen des Betriebs vereinbar sind. Ein erklärtes Ziel für die Zukunft besteht daher darin, die Ausbildungschancen junger Menschen mit Migrationshintergrund zu verbessern, somit die Anzahl unbesetzter Ausbildungsstellen zu senken und insgesamt bessere Integrationsmöglichkeiten durch einen Ausbildungsplatz in Deutschland zu bieten.

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Junge Erwachsene ohne Berufsabschluss

Trotz eines stabilen Ausbildungsmarktes gibt es weiterhin zahlreiche Jugendliche und junge Erwachsene ohne Berufsabschluss in Deutschland. Die Quote der Ungelernten betrug in der Gruppe der 20- bis 24-jährigen 2015 bei 12.3% und in der Gruppe der 25- bis 34-jährigen bei 13,9%. Insgesamt waren es ca. 5,11 Millionen Menschen in Deutschland, die über keine richtige berufliche Qualifikation verfügten und somit nicht am Erwerbsleben teilhaben konnten. In Hinblick auf die Zukunft sind junge potentielle Fachkräfte unabdingbar für den nachhaltigen Erfolg vieler Betriebe. Immer mehr ältere Arbeitnehmer gehen in den Ruhestand und es entstehen neue Arbeitsplätze, die durch die hohe Ungelerntenquote nicht besetzt werden können. Oft wird ein Auszubildender anhand seiner Schulnoten und seines Abschlusses bewertet. Aufgrund dessen ist die Ungelerntenquote mit 31,4% bei Hauptschülern deutlich höher als bei Realschülern (9,3%) und Studienberechtigten (4,5%).