Karneval trotz Arbeit: Darf ich mich krankschreiben, nur um frei zu haben?


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Die „tollen Tage“ haben begonnen und mit ihnen steigen die plötzlichen Krankschreibungen und Urlaubstage besonders stark an. Kein Wunder, denn gerade in den Karnevalshochburgen wie Köln, Düsseldorf oder Mainz wird die närrische Zeit inbrünstig gefeiert.

In vielen Betrieben herrscht nun der Ausnahmezustand, vielfach sogar mit ausdrücklicher Erlaubnis des Chefs – auch während der Arbeitszeit wird hier und da zu Bier und Sekt gegriffen, es wird gelacht, geküsst und geschunkelt. Auch die obligatorische Verkleidung darf nicht fehlen, sodass viele Arbeitnehmer als Clown, Indianer und Co. auf der Arbeit erscheinen. Oder noch besser, gar nicht erst zur Arbeit kommen und sich direkt in die Festlichkeiten auf der Straße stürzen!

Aber darfst Du in der Karnevalszeit wirklich so sehr über die Stränge schlagen? Vielleicht hast Du sogar mit dem Gedanken gespielt, Dich einfach krankschreiben zu lassen, nur um Feiern gehen zu können? Welche Risiken Du in jedem Fall beachten solltest und was Du trotz Partylaune besser nicht tust, erklären wir Dir hier!

Krankschreiben zum Feiern – ein Kavaliersdelikt?

Karneval steht an und Du möchtest die jecken Tage nutzen, um mit Deinen Freunden zu feiern und durch die Straßen zu ziehen. Du bist sogar bereit, zu diesem Zweck ein paar Urlaubstage zu investieren – doch zu Beginn des Jahres ist in der Regel viel zu tun und Dein Chef muss den einen oder anderen Urlaubsantrag aus betrieblichen Gründen ablehnen. Nicht selten neigt nun so mancher Azubi oder sonstiger Angestellter dazu, sich einfach „selbst frei zu geben“. Und zwar, indem er oder sie einen Krankenschein vorlegt und sich arbeitsunfähig meldet.

Laut einer Befragung des Karriereportals Glassdoor sind es übrigens vor allem die Herren der Schöpfung, die der Arbeit trotz guter Gesundheit fernbleiben. Mit 13,9 Prozent ist der Anteil der simulierenden Männer doppelt so hoch wie der der Frauen. Dabei geht es aber keinesfalls nur um Karneval, auch zum Shoppen oder einfach für eine Pause zwischendurch wird gern krankgefeiert.

Was Dir bei einer falschen Krankschreibung droht

Vermutlich hältst Du Deine Krankschreibung an Karneval für ein verzeihliches Kavaliersdelikt. Sei Dir Deiner Sache aber besser nicht zu sicher, denn: Wenn Du auf Krankenschein feierst, begehst Du in diesem Moment Betrug an Deinem Arbeitgeber und Deinen Kollegen. Das ist ein ernstzunehmender Straftatbestand – im schlimmsten Fall droht Dir sogar die fristlose Kündigung, sofern Dein Arbeitgeber Dir den Betrug nachweisen kann.

Der Gesetzgeber versteht in einem solchen Fall wenig Spaß, denn fingierte Krankmeldungen schaden der Wirtschaft jährlich in erheblichem Maße. Jahr für Jahr kommen so rund 34 Millionen bezahlte Arbeitstage zusammen. Das schadet nicht nur dem Unternehmen, sondern auch den Kollegen, die brav zur Arbeit kommen und die Mehrbelastung auffangen müssen.

Was Arbeitgeber gegen falsche Krankschreibungen tun können

So mancher Betrieb hat mit Angestellten oder Azubis zu kämpfen, die regelmäßig krankfeiern. Dagegen anzugehen, ist nicht einfach – aber doch machbar. Immer mehr Unternehmen greifen beispielsweise zu Detekteien, die konkrete Beweise sammeln und aufdecken, ob ein verdächtigter Angestellter wirklich krank ist oder nur so tut. Dieses Mittel mag radikal wirken, ist mitunter aber die letzte Lösung, um sich als Arbeitgeber zu behelfen. Zusätzlich kann ein solches Verhalten eingedämmt werden, indem Betriebe auf folgende präventive Maßnahmen setzen:

  • Gutes Betriebsklima
  • Wer krank ist, bleibt Zuhause
  • Probleme offen ansprechen

Wirklich krank – was ist trotz Krankenschein erlaubt?

Bist Du hingegen wirklich krank, so musst Du übrigens keinesfalls nur das Bett hüten. Denn auch wenn Arbeitgeber in der Regel davon ausgehen, dass sie während einer Krankheit nicht hinausgehen dürfen, so sind einige Dinge trotz allem erlaubt oder sogar erwünscht. Bist Du beispielsweise krank, aber nicht bettlägerig, so darfst Du ruhig Lebensmittel-Besorgungen tätigen – schließlich musst Du trotz allem etwas essen und im Grunde dient dies nur Deiner Genesung. Selbstverständlich ist auch der Gang zur Apotheke kein Problem.

Schwieriger wird es da schon, wenn Du eine gemütliche Shoppingrunde einlegen oder Dich mit einer Freundin zum Kaffeetrinken treffen möchtest. Wirst Du dabei von Deinen Kollegen oder gar dem Chef „erwischt“, dann machst Du dich verständlicherweise verdächtig. Immerhin wirkt so ein gemeinsames Beisammensein viel eher als Freizeitspaß. Andererseits muss Dein Arbeitgeber Dir erst einmal nachweisen können, dass Du wirklich eine Pflichtverletzung begangen hast. Andernfalls musst Du keine Angst vor arbeitsrechtlichen Maßnahmen haben. Sei Dir aber darüber im Klaren, dass solch ein Verhalten vermutlich nicht auf Begeisterung stoßen wird und Du es keinesfalls übertreiben solltest – sonst verspielst Du das Vertrauen Deines Betriebs.

Und wenn Du Dich nach ein paar Tagen schon wieder fitter fühlst? Darfst Du dann trotz Krankschreibung vielleicht sogar schon wieder Sport treiben oder anderweitig aktiv sein? Tatsächlich sind einige sportliche Aktivitäten durchaus erlaubt, beispielsweise leichtes Gerätetraining gegen Nackenverspannungen. Solange Du Deine Genesung nicht gefährdest, ist sogar Leistungssport denkbar. Bei Depressionen oder Burnout verschreiben Ärzte etwa Bewegung, denn ein kleiner Lauf an der frischen Luft tut gut und stärkt gleichzeitig das Immunsystem. Hier kann auch ein Ausflug in die Natur zum Entspannen und „Runterkommen“ helfen. Bei solchen Aktivitäten musst Du jedoch unbedingt differenzieren und im Vorfeld gut überlegen – denn hast Du beispielsweise eine ausgewachsene Grippe, machst Sport und gibst nicht auf Dich Acht, so kann daraus auch eine fristlose Kündigung resultieren!

Für die Karnevalszeit dürfte dieser Fall jedoch ziemlich eindeutig sein: Bist Du krankgeschrieben, so hast Du beim Feiern und Trinken nichts verloren. Solltest Du wirklich krank sein, dann kuriere Dich aus – feierst Du hingegen nur krank und bist eigentlich topfit, dann sei Dir der Risiken bewusst. Du missbrauchst nicht nur das Vertrauen Deines Betriebs, sondern riskierst auch ernsthafte Konsequenzen wie eine Abmahnung oder Kündigung.