Wann darf ich meine Ausbildung verkürzen?


Ausbildung verkürzen

Zeigst Du sehr gute Leistungen in der Berufsschule, kannst Du unter Umständen Deine Ausbildung verkürzen. Vorteile: Du verdienst eher volles Gehalt und bist schneller mit der Ausbildung fertig. Nachteil: Das Wissen, das für den Abschluss Deiner Ausbildung notwendig ist, muss Du Dir in viel kürzerer Zeit aneignen – das kann sehr anstrengend werden. Wann ist ein Abkürzen sinnvoll, wie sind überhaupt Deine Möglichkeiten und was musst Du beachten?

Voraussetzungen zur Verkürzung der Ausbildung

Ziel einer Ausbildung ist es, alles Wissen zu vermitteln, das zum Ausüben des Berufs notwendig ist. Deine Ausbildung kannst Du somit nur verkürzen, wenn Du dieses Ziel trotz reduzierter Ausbildungszeit erreichst. Du musst also grundsätzlich gute Leistungen mitbringen, um überhaupt für eine Verkürzung in Frage zu kommen. In den prüfungsrelevanten Fächern brauchst Du einen Schnitt von besser als 2,49, um eine frühzeitige Zulassung zur Abschlussprüfung zu beantragen. Dabei müssen Dich sowohl Dein Ausbildungsbetrieb als auch die Berufsschule unterstützen und Dir bescheinigen, dass Deine Leistungen dem entsprechen.

Schulabschluss spielt auch eine Rolle

Ebenfalls eine Rolle spielt Dein Schulabschluss: Hast Du die mittlere Reife, kannst Du die Ausbildung um ein halbes Jahr verkürzen. Mit Fachhochschulreife oder Abitur  ist sogar ein ganzes Jahr Verkürzung möglich. Entscheiden darfst Du das allerdings nicht allein, sondern du beantragst die Verkürzung gemeinsam mit Deinem Ausbildungsbetrieb frühzeitig bei der zuständigen Stelle.  Das ist je nach Ausbildung entweder die Industrie- und Handelskammer (IHK) oder die Handwerkskammer (HWK). Eine weitere Möglichkeit, schneller fertig zu sein, ist gegeben, wenn es sich bereits um Deine zweite Ausbildung handelt. Hierzu gibt es allerdings unterschiedliche Regelungen in den einzelnen Bundesländern und kann bei IHK oder HWK erfragt werden. Die Entscheidung wird jeweils individuell gefällt. Bist Du noch minderjährig, müssen die entsprechenden Anträge grundsätzlich auch von Deinen Erziehungsberechtigten unterschrieben werden.

Ausbildungsverkürzung durch Teilzeitausbildungen

Absolvierst Du Deine Ausbildung in Teilzeit – etwa weil Du ein Kind betreust – verkürzt Du Deine Ausbildungszeit praktisch ebenfalls. Das Ausbildungsende bleibt zwar gleich, allerdings ändert sich Deine wöchentliche Arbeitszeit. Unterm Strich investierst Du so weniger Zeit in Deine Ausbildung als Azubis, die in Vollzeit Ihre Lehre machen. Der Haken auch hierbei: Du musst trotzdem die komplette Prüfungsleistung erbringen und darfst nicht weniger Wissen haben.

Teilzeitausbildung meist nur bei Kinderbetreuung möglich

Genau wie eine Ausbildungsverkürzung muss auch die die Teilzeitausbildung gemeinsam von Dir und Deinem Betrieb beantragt werden. Stattgegeben wird einem solchen Antrag nur, wenn triftige Gründe vorliegen, was meist die Kinderbetreuung ist. Schaffst Du es nicht, das Ausbildungsziel in Teilzeit zu erreichen, kann die Ausbildungszeit auch verlängert werden.Weitere Punkte, die Du beachten solltest: Bei einer Teilzeitausbildung wird nur die anteilige Vergütung gezahlt und die wöchentliche Ausbildungszeit sollte nicht unter 25 Stunden fallen, da ansonsten das Ausbildungsziel nicht erreicht werden kann.

Mindestzeiten für die Ausbildung

Auch wenn eine Ausbildung verkürzt werden kann und bei Dir mehrere Faktoren zu Verkürzung zutreffen, darf eine Mindestdauer für die Ausbildung nicht unterschritten werden. Wie lang diese ist, hängt davon ab, wie die reguläre Ausbildungszeit aussieht. Beträgt die Regelausbildungszeit 3,5 Jahre, sollten 2 Jahre Ausbildungsdauer nicht unterschritten werden. Bei 3 Jahren Regelausbildungszeit sind 1,5 Jahre das Minimum. Bei einer Regelausbildungszeit von 2 Jahren, sollte 1 Jahr nicht unterschritten werden. Grund dafür ist, dass das Erreichen der Lernziele eine gewisse Zeit in Anspruch nimmt und dafür eine Mindestzeit angesetzt wird.

Der Antrag auf Verkürzung ist bewilligt und jetzt?

Erst einmal: Herzlichen Glückwunsch! Damit die Verkürzung wirklich ein Bonus für Dich ist, solltest Du natürlich die Abschlussprüfung bestehen. Fällst Du durch, wird die Ausbildungszeit wiederum verlängert. Nach Bestehen der Abschlussprüfung kannst du sofort als ausgelernte Kraft in Deinem Beruf arbeiten. Für Bewerbungen empfiehlt es sich, die Verkürzung Deiner Ausbildung im Lebenslauf zu vermerken. Künftige Chefs könnten aufgrund der kürzeren Dauer sonst irrtümlich glauben, dass Du die Ausbildung abgebrochen hast.

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